Relevanz von Community Media in Bayern

Community Media sind heutzutage ein welt- und europaweites Phänomen. Deutschland kann hier medienpolitisch als Nachzügler bezeichnet werden. Allen Angeboten von Community Media ist gemeinsam, dass sie jedem Bürger den unmittelbaren Zugang zu den Medien eröffnen möchten. Diese Hauptfunktion erscheint vor allem vor dem Hintergrund wichtig, dass nicht klar ist, ob die aktuellen Öffentlichkeitsstrukturen gerade auf lokaler Ebene gesellschaftliche Teilhabe auch in einem digitalen Zeitalter noch umfassend gewährleisten können (vgl. grundlegend Jarren/Krotz 1998). Wegen der zivilgesellschaftlichen Trägerschaft kommen Community Radios den aktuell sehr hohen partizipatorischen Ansprüchen des Publikums besonders nah. In Deutschland sind daher mehr Menschen ehrenamtlich mit dem Radio befasst als hauptberufliche Radioredakteure.

Community Media wie Radio Z kompensieren als Artikulations- und Selbstdarstellungsmedium einerseits das Kommunikationsbedürfnis der lokalen und regionalen, sozialen und kulturellen Gruppen, andererseits bilden sie mit ihrer mehrsprachigen Programmgestaltung wichtige soziale Knotenpunkte und fördern den sozialen und interkulturellen Dialog. Community Media gewinnen damit aktuell gerade in Ballungsgebieten u.a. neue Bedeutungen besonders für Migranten und andere benachteiligte Gruppen. Nicht nur mit ihrer traditionellen Rolle ‚den Stimmlosen eine Stimme’ zu geben, sondern auch im Sinne der Medienpädagogik stellen sie wichtige, dialogorientierte Lernorte für multiple Kompetenzen dar, die geeignet sind, die kritische und selbstbestimmte Handlungsfähigkeit (benachteiligter) gesellschaftlicher Gruppen und Individuen zu erweitern. Community Media greifen damit gezielt aktuelle gesellschaftlichen Herausforderungen auf und erfüllen auf ihre Art Formen des ‚Public Service’ von unten. Aber auch mit ihrer ergänzenden und korrigierenden Berichterstattung tragen sie zu einer Erweiterung des Informationsspektrums an sich und zu einer liberalen Öffentlichkeit bei.

Wenn man aktuellen Ergebnissen der empirische Forschung zur Wirkung und Nutzung von Massenmedien folgt (z. B. Couldry et al. 2007, Wimmer 2007), können diese geschilderten Funktionen nicht allein – wie in Bayern bislang geschehen – durch die Übernahme ausgewählter Beitrage einzelner zivilgesellschaftlicher Akteure wie z. B. kirchlicher Gruppen in das Programm des kommerziellen Rundfunks oder durch den Aufbau von Ausbildungs- und Fortbildungskanälen geleistet werden. Es muss vielmehr grundlegend für eine gesicherte Infrastruktur und eine stete Qualitätssicherung der bisherigen Community Media in Bayern gesorgt werden, damit diese den Herausforderungen der Digitalisierung der Radiolandschaft und des Gender Mainstreaming meistern können. Diese öffentliche Finanzierung sichert nicht zuletzt auch die gesellschaftliche Anerkennung, die letztendlich notwendig ist, um die Existenz von Community Media als innovative Medien mit offenem Zugang zu sichern.

Literatur
Couldry, N./Livingstone, S./Markham, T. (2007): Media Consumption and Public Engagement. London: Palgrave Macmillan.
Jarren, O./Krotz, F. (Hrsg.) (1998): Öffentlichkeit unter Vielkanalbedingungen. Baden-Baden: Nomos
Wimmer, J. (2007): (Gegen-)Öffentlichkeit in der Mediengesellschaft. Wiesbaden: VS.


Kontakt
Prof. Dr. Jeffrey Wimmer
Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienkultur
Leuphana Universität Lüneburg
Scharnhorstrasse 1
21335 Lüneburg
Telefon: (04131)-677-2762
e-mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
http://www.leuphana.de/institute/ifkm.html